Mitarbeiter im Handwerk finden: 7 Wege zu qualifizierten Fachkräften

Sieben Wege zu Fachkräften im Handwerk, von Empfehlungen über Jobbörsen bis zur Personalvermittlung, mit Kosten, Aufwand und passendem Stellenprofil.

Inhaltsverzeichnis

    Ein Auftrag ist angenommen, der Termin steht, doch im Team fehlt ein Geselle. Welcher Rekrutierungskanal dann passt, entscheidet vor allem die Stelle selbst. Einen Azubi erreichen Sie über andere Kanäle als einen Meister.

    Kurz gefasst: Um Mitarbeiter im Handwerk zu finden, kombinieren Betriebe mehrere Kanäle, passend zur jeweiligen Stelle. Für Azubis zählen Praktika und Schulkontakte, für Helfer und Gesellen Empfehlungen, Jobbörsen und Social Recruiting. Bei Meistern und schwer besetzbaren Stellen hilft eine Personalvermittlung. Grundlage aller Wege ist eine klare Stellenanzeige.

    Warum ist es so schwer, Mitarbeiter im Handwerk zu finden?

    Mitarbeiter im Handwerk sind schwer zu finden, weil in den Engpassgewerken auf eine offene Stelle zu wenige passende Bewerber kommen. Wie lange das dauert, zeigt die Vakanzzeit der Bundesagentur für Arbeit, also die Zeit vom geplanten Besetzungstermin bis zur Abmeldung der Stelle. Im Aus- und Trockenbau blieb eine gemeldete Stelle im Zeitraum Februar 2025 bis Januar 2026 im Schnitt 300 Tage unbesetzt. Das sind rund zehn Monate. Im Hochbau waren es 281 Tage, in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zwischen 240 und 295 Tagen.

    So lange fehlt eine Kraft im Team, und der Betrieb kann neue Aufträge nur mit Überstunden der übrigen Mitarbeiter annehmen oder muss sie ablehnen.

    Hinzu kommt der Wettbewerb um dieselben Fachkräfte. Ein guter Geselle hat erfahrungsgemäß bereits einen Arbeitsplatz und wechselt nur, wenn ihn ein überzeugendes Angebot erreicht. Bevor die Anzeige entsteht, sollte deshalb klar sein, über welche Kanäle ein Geselle erreichbar ist, der gerade nicht sucht.

    Wie findet man Mitarbeiter im Handwerk?

    Mitarbeiter im Handwerk findet man heute über zwei oder drei Kanäle, die ein Betrieb parallel nutzt. Die folgende Übersicht ordnet sieben Wege nach Kosten, Aufwand und Stellenprofil.

    KanalKostenAufwandGeeignet für
    Empfehlungen aus der BelegschaftPrämie, falls vereinbartgeringHelfer, Gesellen
    Jobbörse der Bundesagentur für ArbeitkostenfreimittelAzubis, Helfer, Gesellen
    Online-Jobbörsen und HandwerksportaleAnzeigenpreis je nach PortalmittelAzubis, Helfer, Gesellen
    Social RecruitingWerbebudget und Zeit für Inhaltemittel bis hochHelfer, Gesellen
    Karriereseite auf der eigenen Websiteeinmaliger Aufbaugering nach dem Aufbaualle Stellen
    Ausbildung und PraktikaAusbildungsvergütung, BetreuungszeithochAzubis
    PersonalvermittlungProvision oder feste GebührgeringGesellen, Meister, schwer besetzbare Stellen

    Ein Elektromeister mit Erfahrung in Gebäudeautomation ist über eine allgemeine Jobbörse schwer zu erreichen, weil reine Reichweite bei so spezieller Qualifikation wenig bringt. Einen Helfer im Garten- und Landschaftsbau kann ein Betrieb dort durchaus finden.

    Wie Betriebe mehrere Kanäle kombinieren, zeigt ein Beispiel. Ein Dachdeckerbetrieb sucht gleichzeitig einen Gesellen und einen Azubi. Für den Gesellen fragt er im Team nach Empfehlungen und schaltet eine regionale Social-Media-Kampagne, die Gesellen im Umkreis von einer Autostunde ansprechen soll. Den Azubi sucht er über Schülerpraktika in den Ferien und über ein Stellenangebot bei der Arbeitsagentur. Beide Suchen führen auf dieselbe Karriereseite.

    Den Nachwuchs gewinnen Betriebe über Praktika, Kontakte zu Schulen und die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer. Dieser Weg wirkt erst nach der Ausbildungszeit, sichert aber Fachkräfte, die den Betrieb von Anfang an kennen.

    Wie funktioniert „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ im Handwerk?

    Bei „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ empfehlen Beschäftigte Bekannte für eine offene Stelle und erhalten bei erfolgreicher Einstellung eine vorher festgelegte Prämie. Wer kennt einen guten Fliesenleger besser als ein Fliesenleger?

    Empfehlungen sind für Jobsuchende ein häufiger Einstieg in eine neue Stelle. Laut einer Untersuchung der Universität Bamberg fanden 23,7 Prozent der Generation Y und 33 Prozent der Generation Z ihre Stelle über eine Empfehlung. Wer empfiehlt, kennt den Alltag auf der Baustelle, die Arbeitszeiten und die Betriebsleitung und kann deshalb einschätzen, wer in dieses Team passt.

    Damit ein Empfehlungsprogramm funktioniert, braucht es:

    • Klare Regeln – welche Stellen gelten, wie hoch die Prämie ist und wann sie ausgezahlt wird
    • Zwei Auszahlungstermine – ein Teil bei Arbeitsbeginn, der Rest nach der Probezeit
    • Schnelle Rückmeldung – der Tippgeber erfährt, wie es mit seinem Kandidaten weitergeht

    Ein Risiko sollten Sie im Blick behalten. Empfehlungen kommen aus dem Bekanntenkreis, und der ähnelt dem bestehenden Team. Damit Sympathie nicht die Qualifikation ersetzt, prüfen Sie empfohlene Bewerber nach denselben Kriterien wie alle anderen, also mit Fachgespräch und Probearbeit. Das schützt auch den Kollegen, der die Empfehlung ausgesprochen hat, falls es nicht passt.

    Welche Jobbörsen eignen sich für Handwerksbetriebe?

    Für Handwerksbetriebe kommen drei Arten von Jobbörsen in Frage, die sich in Reichweite und Zielgruppe unterscheiden. Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit ist für Stellensuchende ohne Anmeldung durchsuchbar und erreicht zusätzlich die bei der Arbeitsagentur gemeldeten Arbeitsuchenden. Sie lässt sich mit der Beratung durch den Arbeitgeber-Service verbinden.

    Generalisten wie Indeed oder StepStone bringen Reichweite über alle Branchen hinweg. Spezialisierte Handwerksportale haben ein kleineres Publikum, dafür mit Berufsbezug. Darüber hinaus eignen sich für Helfer und einfache Tätigkeiten auch Kleinanzeigen-Portale.

    Gefunden wird eine Anzeige über die Berufsbezeichnung, wie Bewerber sie ins Suchfeld tippen, also über den Ausbildungsberuf, etwa „Anlagenmechaniker SHK“ oder „Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik“. Interne Bezeichnungen wie „Monteur Team Nord“ tauchen in keiner Suche auf. Nennen Sie außerdem den Einsatzort, denn viele Jobbörsen bieten eine Umkreissuche.

    Wer mehrere Portale nutzt, spart mit einem Multiposting-Dienst Zeit, weil die Anzeige nur einmal erfasst wird. Notieren Sie außerdem nach jeder Ausschreibung, über welches Portal die passenden Bewerbungen kamen, und streichen Sie Portale, über die nur ungeeignete Bewerbungen kommen.

    Wie schreibt man eine Stellenanzeige für Handwerker?

    Eine gute Stellenanzeige für Handwerker nennt in den ersten Zeilen Beruf, Einsatzort, Arbeitszeit und Lohn und macht die Bewerbung so einfach wie möglich. In die Anzeige gehören:

    • Konkrete Tätigkeit – welche Baustellen, Projekte und Maschinen warten, statt allgemeiner Floskeln
    • Lohn oder Lohnspanne – eine Zahl beantwortet die erste Frage jedes Bewerbers
    • Arbeitszeit, Anfahrt und Ausstattung – Montagezeiten, Firmenwagen, Werkzeug
    • Einfache Bewerbung – Telefonnummer, Messenger oder Kurzformular ohne Anschreiben

    Formulieren Sie so, dass die Anzeige auch auf dem Handy in der Pause lesbar bleibt.

    Rechtlich verlangt § 11 AGG eine geschlechtsneutrale Ausschreibung. Üblich ist der Zusatz „(m/w/d)“ hinter der Berufsbezeichnung oder ein neutraler Oberbegriff. Fehlt beides, kann die Anzeige als Indiz für eine Benachteiligung gewertet werden. Im Streitfall muss dann der Betrieb beweisen, dass er niemanden benachteiligt hat (§ 22 AGG).

    Lohnt sich Social Recruiting im Handwerk?

    Social Recruiting lohnt sich im Handwerk, wenn ein Betrieb regional sucht und zeigen kann, wie die Arbeit bei ihm aussieht. Gemeint sind bezahlte Anzeigen auf Facebook oder Instagram, die gezielt in der Region ausgespielt werden.

    Fotos von echten Baustellen, kurze Videos mit Kollegen und ein Blick in die Werkstatt wirken stärker als Stockbilder. Das Ziel jeder Werbeanzeige sollte eine Karriereseite oder ein Kurzformular sein, über das sich ein Interessent direkt meldet.

    Was kostet eine solche Kampagne? Neben dem Werbebudget kostet sie vor allem Arbeitszeit. Jemand im Betrieb muss fotografieren, Texte freigeben und auf Nachrichten zeitnah antworten. Spezialisierte Agenturen bieten Social Recruiting als Paket an, inklusive Kampagne und Vorauswahl. Für Meister- und Spezialistenstellen eignet sich der Kanal nur begrenzt, weil die Zielgruppe in einer Region klein ist.

    Wann hilft eine Personalvermittlung, auch aus Polen?

    Eine Personalvermittlung hilft, wenn eine Stelle über die eigenen Kanäle lange offen bleibt oder wenn in der Region keine passenden Fachkräfte zu finden sind. Sie sucht, prüft und stellt Kandidaten vor; den Arbeitsvertrag schließt der Betrieb selbst. Wie die Zusammenarbeit abläuft und wo die Grenze zur Zeitarbeit liegt, erklärt der Beitrag zu Aufgaben und Ablauf einer Personalvermittlung.

    Mit dem Blick über die Grenze wächst der Bewerberkreis deutlich. Eine Arbeitserlaubnis ist für Fachkräfte aus Polen seit dem 1. Mai 2011 nicht mehr nötig. Auch die Meisterpflicht steht nicht im Weg, denn sie betrifft die Führung eines zulassungspflichtigen Handwerksbetriebs, nicht den angestellten Gesellen. Welche Schritte bei der Einstellung aus der EU anfallen, beschreibt der Beitrag zum Rekrutierungsprozess für ausländische Fachkräfte aus der EU und aus Drittstaaten.

    Diesen Weg bietet Gastamo an. Das Unternehmen ist im polnischen Register KRAZ eingetragen (Markeninhaber Kapigo) und schreibt Stellen auf rund 100 polnischen Stellenportalen aus. Eingestellt werden die Fachkräfte in Direktanstellung beim deutschen Betrieb. Bleiben innerhalb von 30 Tagen passende Kandidaten aus, bekommt der Auftraggeber die vorab gezahlte Aktivierungsgebühr zurück.

    Für welche Gewerke das möglich ist, vom Maurer bis zum Elektriker, zeigt die Übersicht Fachkräfte aus Polen für Bau und Handwerk.

    Was kostet die Mitarbeitersuche im Handwerk?

    Die Mitarbeitersuche kostet einen Betrieb branchenübergreifend als Richtwert 4.200 bis 8.500 Euro pro besetzter Stelle, Anzeigen und eigene Arbeitszeit eingerechnet. Das sind Durchschnittswerte über alle Wege; einzelne Kanäle liegen deutlich darunter oder darüber.

    Erfolgsabhängig abrechnende Personalvermittlungen verlangen in der Regel eine Provision von 20 bis 30 Prozent des Bruttojahresgehalts. Bei einem angenommenen Bruttojahresgehalt von 42.000 Euro sind das 8.400 bis 12.600 Euro. Daneben gibt es Modelle mit festen Gebühren; eine Übersicht über Provisionen und Abrechnungsmodelle einer Personalvermittlung vergleicht beide Varianten.

    Ins Gewicht fällt auch eine Fehlbesetzung. Schätzungen reichen von drei Monatsgehältern bis zum Dreifachen eines Jahresgehalts, je nach Position und Einarbeitungsaufwand. Stellen Sie den Kosten der Suche außerdem den Umsatz gegenüber, der verloren geht, wenn Sie einen Auftrag mangels Personal ablehnen.

    Häufige Fragen zur Mitarbeitersuche im Handwerk

    Ist die Prämie für „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ steuerfrei?

    Als Geldprämie nicht. Sie gehört zum Arbeitslohn des empfehlenden Mitarbeiters und ist nach § 19 EStG und § 14 SGB IV lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. In der Sozialversicherung gilt sie als einmalig gezahltes Arbeitsentgelt nach § 23a SGB IV. Soll beim Mitarbeiter ein bestimmter Betrag ankommen, muss der Bruttobetrag entsprechend höher angesetzt werden.

    Was droht bei einer Stellenanzeige ohne „m/w/d“?

    Ist die Anzeige auch sonst nicht geschlechtsneutral formuliert, kann ein abgelehnter Bewerber eine Entschädigung nach § 15 Abs. 2 AGG verlangen. Wäre er auch bei benachteiligungsfreier Auswahl nicht eingestellt worden, ist sie auf drei Monatsgehälter begrenzt. Den Anspruch muss er innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Ablehnung schriftlich geltend machen (§ 15 Abs. 4 AGG).

    Ist die Jobbörse der Arbeitsagentur für Arbeitgeber kostenlos?

    Ja. Arbeitgeber veröffentlichen Stellenangebote in der Jobbörse der Arbeitsagentur kostenfrei und können in der Bewerberbörse nach Kandidaten suchen. Für die Online-Veröffentlichung braucht der Betrieb ein Arbeitgeberkonto; alternativ nimmt der Arbeitgeber-Service das Stellenangebot telefonisch oder schriftlich entgegen.

    Kamil Kmiecik

    Gründer und Geschäftsführer von Gastamo Job Service. Seit über zehn Jahren vermittelt er polnische Fachkräfte an Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz - ausschließlich in Direktanstellung. Er spricht Deutsch, Polnisch und Englisch und kennt das deutsche Arbeitsrecht aus der täglichen Vermittlungspraxis.