Fachkräftemangel im Handwerk 2026: Welche Berufe am stärksten betroffen sind

Bauelektrik, Kfz-Technik und SHK: In welchen Handwerksberufen 2026 die meisten Fachkräfte fehlen und warum die Zahlen der Quellen auseinandergehen.

Inhaltsverzeichnis

    In Handwerksberufen sind Fachkräfte vor allem in der Bauelektrik, der Kraftfahrzeugtechnik und der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) knapp. Die Frage, wie viele insgesamt fehlen, beantworten die Quellen sehr unterschiedlich, weil sie Verschiedenes zählen. Für einen Betrieb mit offener Stelle zählt deshalb vor allem die Lücke im eigenen Beruf.

    Kurz gefasst: Nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) konnten 2025 in Handwerksberufen rechnerisch knapp 100.000 offene Stellen nicht besetzt werden, fast jede zweite. Die größten Lücken gab es in der Bauelektrik, der Kraftfahrzeugtechnik und der SHK-Technik. Andere Quellen nennen höhere Zahlen, weil sie anders rechnen.

    Wie viele Fachkräfte fehlen im Handwerk?

    Aktuelle Angaben zum Fachkräftemangel im Handwerk liegen zwischen rund 97.000 und 200.000. Gezählt werden je nach Quelle gemeldete Stellen, rechnerische Lücken oder der geschätzte Gesamtbedarf.

    QuelleZahlWas gezählt wird
    Bundesagentur für Arbeit, laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)119.565 (Ende Dezember 2025)offene Stellen im Handwerk, die Betriebe der Bundesagentur gemeldet haben
    KOFA-Kompakt 7/202697.482 (Durchschnitt 2025)offene Stellen in Handwerksberufen, für die rechnerisch keine passend qualifizierten Arbeitslosen zur Verfügung stehen
    ZDHrund 200.000 (Schätzung, März 2026)geschätzter Bedarf einschließlich nicht gemeldeter Stellen

    Gemeldete Stellen sind eine Untergrenze der offenen Stellen, denn die Bundesagentur erfährt nicht von jeder freien Stelle. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung rechnet die Meldungen deshalb mit Meldequoten aus der Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hoch. Diese Quoten hängen vom Anforderungsniveau der Stelle ab und schwanken über die Zeit zwischen 30 und 60 Prozent. Für 2025 kommt das KOFA so auf rund 209.000 offene Stellen in Handwerksberufen.

    Davon zieht das KOFA die Arbeitslosen ab, und zwar Beruf für Beruf. Arbeitslose aus dem Friseurhandwerk gleichen keine offene Stelle in der Bauelektrik aus. Rechnete man dagegen alle offenen Stellen gegen alle rund 139.000 Arbeitslosen auf, die eine Stelle in einem Handwerksberuf suchen, blieben nur etwa 70.000 übrig. Die rechnerische Lücke des KOFA liegt mit 97.482 deutlich darüber.

    Gegenüber 2024 ist die KOFA-Lücke um 9,5 Prozent geschrumpft, die Lücke über alle Berufe hinweg sogar um 24,1 Prozent. Die Schätzung des ZDH liegt etwa doppelt so hoch wie die KOFA-Lücke. Wie der Verband den gesamten Bedarf berechnet, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor. Auch der Zeitpunkt unterscheidet sich: Die vom ZDH genannte Zahl gemeldeter Stellen ist ein Stand vom Jahresende, die KOFA-Zahl ein Durchschnitt über das ganze Jahr.

    Das KOFA ordnet offene Stellen nach dem Beruf zu, nicht nach dem Betrieb. In der KOFA-Lücke stecken deshalb auch Stellen in Handwerksberufen, die Industriebetriebe anbieten.

    In welchen Handwerksberufen fehlen die meisten Fachkräfte?

    Die meisten Fachkräfte fehlen in der Bauelektrik. Dort blieben 2025 rechnerisch sogar mehr als sieben von zehn offenen Stellen unbesetzt. Grundlage der Rangfolge sind KOFA-Werte für 2025, bezogen auf Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung:

    BerufFachkräftelücke 2025
    Bauelektrik16.270
    Kraftfahrzeugtechnik13.327
    Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik10.941
    Metallbau6.513
    Verkauf von Fleischwaren4.665

    Auch im Dachdeckerhandwerk gibt es einen großen Fachkräfteengpass. Nach der Größe der Lücke gehört es aber nicht zu den ersten fünf.

    Bei Meisterinnen und Meistern verschiebt sich das Bild. Hier war die Lücke 2025 in der Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik am größten (1.637), gefolgt von der Klempnerei und SHK (1.525). Auf den weiteren Plätzen lagen die Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik (1.344), der Hochbau (1.194) und der Tiefbau (1.190).

    Viele Engpässe bestehen schon lange: In 59 von 115 Handwerksberufen gab es 2025 nach KOFA-Berechnung Fachkräfteengpässe, in 35 davon seit mindestens zehn Jahren.

    Welche Berufe sich aus Polen besetzen lassen, beschreibt ein eigener Beitrag.

    Warum fehlen im Handwerk Fachkräfte?

    Drei Ursachen des Fachkräftemangels im Handwerk lassen sich mit Zahlen belegen: die Altersstruktur der Belegschaften, unbesetzte Ausbildungsstellen und der niedrige Frauenanteil.

    Etwa jeder vierte Beschäftigte im Handwerk ist nach Angaben des KOFA 55 Jahre oder älter, unter Meisterinnen und Meistern sogar jeder dritte. Wer übernimmt die Arbeit dieser Jahrgänge, wenn sie in Rente gehen?

    Zum 30. September 2025 blieben im Handwerk nach Angaben des ZDH über 16.000 angebotene Ausbildungsstellen unbesetzt. Eine allgemeine Ausbildungskrise sieht das KOFA im Handwerk allerdings nicht. In der Bauelektrik, der SHK und der Dachdeckerei steigen die Bewerberzahlen seit Jahren, der Bedarf wächst aber schneller.

    Niedrig bleibt auch der Anteil der Frauen. Er liegt in Handwerksberufen seit 2013 unverändert bei rund 24 Prozent, im Schnitt aller Berufe bei gut 46 Prozent (KOFA-Kompakt 3/2025). Unter Meisterinnen und Meistern stieg er zwischen 2013 und 2023/2024 von 13,3 auf 17,1 Prozent.

    Was bedeutet der Fachkräftemangel für Bau- und Handwerksbetriebe?

    Der Fachkräftemangel kann begrenzen, wie viele Aufträge Bau- und Handwerksbetriebe annehmen können. Im DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 rechnen 54 Prozent der Unternehmen der Bauwirtschaft damit, wegen fehlender Fachkräfte ihr Angebot einschränken oder Aufträge ablehnen zu müssen, im Ausbaugewerbe 58 Prozent.

    Welcher Auftrag zuerst abgelehnt wird, hängt etwa von der Anfahrt ab und davon, wer im Team die nötige Qualifikation hat.

    Überstunden des Teams gleichen fehlende Kräfte nur zeitweise aus. Werktäglich sind höchstens zehn Stunden erlaubt, und das nur, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden nicht überschritten werden (§ 3 ArbZG).

    Fehlende Fachkräfte erschweren auch die Nachfolge, wenn sie aus dem eigenen Team kommen soll. Der ZDH erwartet, dass mindestens 125.000 Familienbetriebe des Handwerks in den nächsten fünf Jahren eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger suchen.

    Was können Handwerksbetriebe gegen den Fachkräftemangel tun?

    Gegen den Fachkräftemangel helfen Handwerksbetrieben vier Ansätze:

    • Ausbildung – Ausbildungsstellen anbieten und Bewerberinnen und Bewerber über Praktika früh kennenlernen
    • Bindung – Weiterbildung und planbare Arbeitszeiten für Gesellinnen und Gesellen
    • Neue Zielgruppen – Frauen und ältere Fachkräfte ansprechen
    • Rekrutierung in der EU – Fachkräfte aus Mitgliedstaaten wie Polen direkt einstellen

    Rechtlich stehen der Rekrutierung in der EU wenige Hürden entgegen. Polnische Staatsangehörige können seit dem 1. Mai 2011 ohne Arbeitserlaubnis in Deutschland arbeiten, und Ende 2024 waren rund 550.000 von ihnen hier beschäftigt (IAB).

    In Direktanstellung schließt der deutsche Betrieb den Arbeitsvertrag selbst und meldet die Fachkraft bei der deutschen Sozialversicherung an. Eine A1-Bescheinigung ist dafür nicht nötig, anders als bei einer Entsendung durch einen ausländischen Arbeitgeber.

    Auch eine Anerkennung des Berufsabschlusses ist für eine Anstellung nicht erforderlich, solange der Beruf in Deutschland nicht reglementiert ist. In Deutschland sind die meisten Bauberufe nicht reglementiert. Die Meisterpflicht betrifft die Führung eines Betriebs, nicht die einzelne Fachkraft im Team. Welche Bau- und Ausbaugewerke sich auf diesem Weg besetzen lassen, zeigt die Übersicht Personal für Bau und Handwerk aus Polen.

    Häufige Fragen zum Fachkräftemangel im Handwerk

    Was ist ein Engpassberuf?

    Ein Engpassberuf ist ein Beruf, in dem die Bundesagentur für Arbeit anhand von sechs Indikatoren deutliche Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung feststellt. Dazu gehören die Vakanzzeit, das Verhältnis von Arbeitsuchenden zu offenen Stellen und die Entgeltentwicklung. Jeder Indikator erhält null bis drei Punkte. Ab einem Durchschnitt von zwei gilt ein Beruf als Engpassberuf. In der Fachkräfteengpassanalyse 2025 traf das auf 157 Berufe zu, nach 163 im Jahr 2024 und 183 im Jahr 2023. Eine Zahl fehlender Fachkräfte nennt die Bundesagentur in der Engpassanalyse ausdrücklich nicht.

    Wo ist der Fachkräftemangel am größten?

    Von den vier Wirtschaftsbereichen im DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 hat die Bauwirtschaft die größten Schwierigkeiten, Personal zu finden. Dort können 49 Prozent der Unternehmen offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen, in der Industrie und bei den Dienstleistern je 36 Prozent, im Handel 32 Prozent. Im Tiefbau liegt der Anteil bei 62 Prozent, im Hochbau bei 56 Prozent. Die Umfrage richtet sich an Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammern.

    Kamil Kmiecik

    Gründer und Geschäftsführer von Gastamo Job Service. Seit über zehn Jahren vermittelt er polnische Fachkräfte an Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz - ausschließlich in Direktanstellung. Er spricht Deutsch, Polnisch und Englisch und kennt das deutsche Arbeitsrecht aus der täglichen Vermittlungspraxis.